Das große Problem der GOP: demographischer Wandel


Läuft alles nach Plan, dann werden die Republikaner aus den midterms im November als Sieger hervorgehen, einige Sitze im Senat gut machen und vielleicht sogar die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernehmen. Doch die Partei kommt zu diesem Sieg ein wenig wie die Jungfrau zum Kinde. Programmatisch hat sich in der GOP nichts getan. Immer noch wird außer dem ewigen big government Gekloppe wenig geliefert, und das in einer Zeit da mit Wirtschafts- und Ölkrise der Segen einer funktionierenden Zentralregierung auch der Bevölkerung immer deutlicher wird.

Daher lautet die Strategie derzeit vor allem: Zurücklehnen und den Demokraten beim Scheitern zusehen – und natürlich hier und da ein wenig nachhelfen. Gleichzeitig wirbt man am äußeren rechten Rand um Stimmen und ist sich dabei nicht zu Schade, Xenophobie und Paranoia zu den zentralen Programmpunkten der eigenen Partei zu machen.

Dieses Jahr könnten sie damit sogar noch Erfolg haben. Doch in wenigen Jahren wird man die Wahl 2010 möglicherweise als das letztes Aufflackern einer Partei der Vergangenheit in Erinnerung haben. Die demographische Entwicklung der USA könnte in der Tat dazu führen, dass eine Republikanische Partei in ihrer jetzigen Ausgestaltung bereits bald in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sein wird.

Einige Zahlen aus dem sehr lesenswerten Bericht “Demographic Change and the Future of the Parties” belegen dies. Durch die Bank weg nimmt der Anteil der Bevölkerungsgruppen die als liberal eingestuft werden können, und die überwiegend Demokratisch wählen, zu, während konservative Bevölkerungsgruppen Anteile liegen lassen.

Der Anteil der den Demokraten nahe stehenden Minority Voters (Schwarze, Hispanics und Amerikaner Asiatischer Herkunft) an der Gesamtwählerschaft ist in den letzten zehn Jahren um 11 Prozent angewachsen. Ebenso ist der Anteil allein stehender Frauen und solcher mit Universitätsabschluss in die Höhe geschossen. Rund 70 Prozent aus dieser Gruppe haben bereits 2008 für Präsident Obama gestimmt und tendieren auch sonst sehr stark zu seiner Partei. Ebenso bemerkenswert ist die Entwicklung in der Gruppe der sogenannten Millenials (Geburtsjahre zwischen 1978 und 2000). Ihr Anteil an der Gesamtwählerschaft wird 2020 bei 40 Prozent liegen. Derzeit tendieren 66 Prozent aus dieser Gruppe stark in Richtung Demokraten. Alles in allem also gute Nachrichten für die Partei.

Wie sieht es für die Republikaner aus? Nicht ganz so rosig. In den letzten zehn Jahren ist der Anteil konservativer blue collar Arbeiter an der gesamten Wählerschaft um 15 Prozent zurückgegangen. Darüber hinaus wird die Amerikanische Arbeiterschaft tendenziell immer liberaler, gerade was sogenannte social issues wie Abtreibung oder Homo-Ehe angeht. Ein weiterer Nachteil für die Republikaner. Doch viel bemerkenswerter ist die schwindende Relevanz (weißer) christlich-konservativer Wähler. Aufgepasst! Jene gesellschaftliche Gruppe, auf der die Republikaner lange Zeit ihre Mehrheit stützten, wird bald nur noch eine Minderheit innerhalb der Gesellschaft darstellen. Der Bericht bringt es sehr drastisch auf den Punkt: “by the 2016 election (or 2020 at the outside) the United States will have ceased to be a white Christian nation.” Dies würde nicht weniger als einer Revolution gleichkommen.

Was also tun? Es gibt mehrere Möglichkeiten. Eine wäre es, darauf zu hoffen, dass das Pendel wieder zurück schwingt. Gerade bei der Religiosität hat es immer wieder Phasen gegeben in denen der Modernisierungsdruck die Religion erst an den Rand gedrängt hat, nur damit diese in einer zweiten Phase als Erweckungsbewegung stärker und reaktionärer denn je wiederkommt. Ich denke nicht, dass es sich hier, wie die Modernisierungstheorie immer wieder behauptet, um eine lineare Entwicklung handelt. Aber man sollte wohl nicht darauf bauen, dass die Evangelikalen jemals wieder die Kohlen für die GOP aus dem Feuer holen werden.

Bleibt also noch die Option, sich in die Mitte zu bewegen. Doch bei welchen Themen? Hier gehen die Meinungen auseinander. Einige, wie der Autor der Studie Ruy Teixeira, raten den Republikanern vor allem, bei gesellschaftspolitischen Fragen liberaler zu werden. Andere wiederum empfehlen, die Partei solle sich in Wirtschaftsfragen weiter nach Links bewegen. Also weg von der reinen Anti-Staats Rhetorik und dem herumreiten auf Steuersenkungen, das so gar nicht mehr in unsere heutige Zeit zu passen scheint.

Photo by nathangibs under Creativ Commons license

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